Wo bleibt das urwaldfreundliche Freiburg? PDF Drucken E-Mail

Für die meisten war einfach nur Freitag, der 22. Mai 2009. Und für einige auch noch der Tag der Artenvielfalt. Für Freiburg aber war es vor allem der Stichtag für das Inkrafttreten des „Freiburger Abkommens zum Schutz der Urwälder“.

Ursprünglich geplant hatte die Freiburger Greenpeace-Gruppe für diesen Tag eine Feier zu Ehren der "Ersten Urwaldfreundlichen Stadt Deutschlands".  Freiburg war nämlich auf bestem Wege gewesen, sich diesen Titel anzueignen: Im Herbst 2008 haben fünf von 43 kontaktierten Holzhändlern das "Abkommen zum Schutz der Urwälder" unterzeichnet und sich somit dazu verpflichtet, künftig keine Produkte aus unzertifiziertem Holz aus Urwäldern zu führen.
Leider ist es bei diesen fünf Unterschriften geblieben - ein Armutszeugnis für die Ökohauptstadt; kein Grund zum Feiern für unsere Greenpeace-Gruppe.

Und so bot sich den Menschen in der Freiburger Innenstadt am Donnerstag-Nachmittag ein trauriges Bild: Sie konnten einen hilflosen Orang-Utan und zwei bannertragende kleine Bäume dabei beobachten, wie sie das "urwaldfreundliche Freiburg" suchten! - Ein Bild, an das man sich bei einer solchen Holzhändler-Mentalität wird gewöhnen müssen.
Denn immer noch werden jährlich Urwald-Flächen abgeholzt, die dreimal so groß sind wie die Schweiz.
Und damit unsereins sich daheim schön anmutender Möbel erfreuen kann, werden nicht nur um ihren Lebensraum gebrachte Orang-Utans  auf der verzweifelten Suche nach urwaldfreundlichen Orten ihr Leben lassen müssen.
Eine Ungerechtigkeit, die sich auf Dauer bezahlen lassen wird. Die Urwälder sind nämlich nicht "nur" Schatzkammern der Artenvielfalt, sondern auch verantwortlich für ein stabiles Weltklima.

 


Ein Hoffnungsschimmer sind die Firmen Bierer Biologische Baustoffe, Lignum stühle & tische, Roller GmbH & Co. KG, Unique Wood GbR und ZBÖ Fußbodentechnik. Sie haben das Abkommen unterzeichnet und garantieren somit, auf den Handel mit Holz aus Urwaldzerstörung zu verzichten und stattdessen auf heimische Hölzer oder Ware mit dem FSC- und Naturlandsiegel zu setzen. Beim Kauf von Holzprodukten sollten diese Geschäfte bevorzugt werden.

Als Puplikumsmagnet an unserem Stand am Kartoffelmarkt entpuppte sich ein großer, aufgeblasener, afrikanischer Waldelefant, der am Tag der Artenvielfalt und am Stichtag des „Freiburger Abkommens zum Schutz der Urwälder“ - am 22. Mai 2009 also - als Symbol für die durch Abholzung bedrohten afrikanischen Urwälder diente, in denen die größte Artenvielfalt der Erde zuhause ist.

Passanten konnten hier Infos rund um dieses Thema und unseren neuen Gartenmöbelvergleich einholen. Sie stießen darauf, wenn sie den Fußabdrücken und Spruchtafeln des Orang-Utans folgten, der seine Urwald-Suche an unserem Stand aufgab. Orang-Utan-Fußabdruck
Als Protestaktion konnte man dann Postkarten unterzeichnen und an jene Geschäfte versenden, welche bisher nicht einsichtig geworden sind und weiterhin bedenkliche Ware verkaufen.

Ein Teilerfolg ist jedoch in Sicht: Der Gemeinderat wird in einer Sitzung Ende Juni diskutieren, ob die Stadt Freiburg dem Beispiel von Organisationen wie Amnesty International und dem BUND folgen und das Abkommen als Unterstützer unterzeichnen wird.

Da es nach wie vor kein Urwaldschutzgesetz in der EU gibt, bleibt Greenpeace nur der wiederholte Appell an das Verantwortungsbewusstsein aller an der illegalen Urwaldabholzung beteiligten Gruppen, zu denen Verbraucher und Verkäufer genau so zu zählen sind wie Händler und Produzenten.

Das Ziel, Freiburg zur "Ersten Urwaldfreundlichen Stadt" zu machen, mag hochgestochen und kleinkariert klingen, was es aber nicht ist:
Der Verzicht auf illegal gehandelte Hölzer aus Urwaldzerstörung in der grünen europäischen Vorzeigestadt Freiburg wäre weltweit für viele Städte ein Ansporn gleichzuziehen. Damit wäre auch der Schritt zur Einführung eines Urwaldschutzgesetzes in der EU gangbarer.
Mit Zertikaten wie FSC und Naturland, die für eine ökologisch und sozial verträgliche und nachhaltige Waldwirtschaft stehen, und durch Veredelungstechniken, durch welche heimische Hölzer Tropenholzeigenschaften vermacht werden können, existieren Alternativen zum Raubbau, die sich mittelfristig für alle Beteiligten auszahlen würden.
Denn die Zerstörung unserer Lebensgrundlagen kommt Unternehmen, Händlern und Verbauchern nicht weniger teuer zu stehen als der Artenvielfalt!
Ein Verzicht auf Holz aus Urwaldzerstörung ist also keine Utopie, sondern eine lebenserhaltende Maßnahme für Jedermann.
Schreiben auch Sie eine E-Mail an den Präsidenten der Europäischen Kommission, José Barroso, und machen Sie darin Ihren Wunsch nach einem EU-Urwaldschutzgesetz deutlich.